Soldat der Freien Syrischen Armee im Kreisklinikum Siegen operiert

Das Kreisklinikum Siegen engagiert sich für Opfer des Bürgerkriegs in Syrien. In diesen Tagen operierten Ärzte der Klinik für Orthopädie den 23-jährigen Abdul Kader Haj-Ahmad.

Der Soldat aus Sarakeb bei Edlib hatte sich der Freien Syrischen Armee angeschlossen, nachdem er von regulären Soldaten misshandelt und gefoltert wurde. Im Nordwesten des Landes wollte er Zivilisten vor Übergriffen der regulären Armee zu schützen. Hier erlitt er bei Kämpfen mit  regulären Truppen neben anderen Schusswunden eine schwere Ellenbogenverletzung, die in einem türkischen Flüchtlingslager nur unzureichend behandelt werden konnte. Auf Vermittlung des Kreuztaler Urologen  Dr. Al Akkad und eines deutsch-syrischen Menschenrechtsvereins kam Haj-Ahmad nach Siegen ins Kreisklinikum. Dr. Michael Palm, Chefarzt der Klinik, stellte fest, dass das Ellenbogengelenk völlig zerstört war und ersetzt werden musste. Die Knochen waren zerschossen, außerdem war der für die Handfunktion wichtige Ellennerv zerstört.  

Das Team des Kreisklinikums entfernte zunächst die in der Türkei eingebrachten Drähte und setzte ein künstliches Ellenbogengelenk ein. Die ansetzenden Bänder, Sehnen und Muskelansätze wurden rekonstruiert. Ebenfalls wurde der Ellennerv aus Transplantaten aus einem Beinnerv unter dem Operationsmikroskop wiederhergestellt. Die Operation ist sehr gut verlaufen, kommentierte Dr. Palm die sechsstündige schwierige Operation. Wie das endgültige Ergebnis aussieht, werde sich aber erst in etwa zwei Jahren zeigen. Der Patient konnte jedoch schon kurz nach der Operation den Ellenbogen wieder gut bewegen. Die Alternative wäre gewesen, den Arm zu versteifen.
Die Teams des Kreisklinikums arbeiteten in diesem Fall und im Fall eines weiteren Syrers, der in Weidenau behandelt wurde, ehrenamtlich. Die Unterbringungskosten übernahm das Kreisklinikum gewissermaßen als Beitrag, um Abdul Kader Haj-Ahmad die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, wenn in Syrien wieder Frieden herrscht.

Dr. Al Akkad ist selbst Syrer und engagiert sich ehrenamtlich, um kriegsverletzte Syrer in nordrhein-westfälischen Kliniken behandeln zu lassen. Dabei freute er sich besonders darüber, dass die Bundesrepublik bei den von ihm betreuten Patienten unbürokratisch Visa erteilt hatte. Auch das Kreisklinikum Siegen reagierte sehr unbürokratisch: Geschäftsführer Bertram Müller gab schnell sein OK zu der außerplanmäßigen Operation, als das Anliegen des deutsch-syrischen Menschenrechtsvereins an ihn herangetragen wurde.   

Abdul Kader Haj-Ahmad wird Deutschland in absehbarer Zeit wieder verlassen. Er hinterließ den Ärzten des Kreisklinikums einen Dank und den Eindruck großer Zufriedenheit.